![]()
Gästebuch
|
|
Jüdische
Allgemeine, 23. Dezember 2004
BJSD-Umfrage:Was wissen deutsche Schüler über Israel? von Elke Wittich „Hey, laß uns nach Israel fahren,...israelische Männer dürfen bis zu fünf Frauen haben ",beschließen Beavis und Butthead. Den Satz in den Mund gelegt hat ihnen der Bundesverband Jüdischer Studenten in Deutschland (BJSD). Der Verband will mit seiner bundesweiten Umfrage „ISQ" (I ask you) herausfinden, was deutsche Jugendliche über das Judentum und Israel wissen. Wie die Antworten ausfallen werden, scheint jetzt schon klar: Bei einem von der Jüdischen Organisation Norddeutscher Studenten (JONS) und der Deutsch-israelischen Gesellschaft initiierten Pilotprojekt hatten mehr als zweitausend Hamburger Schüler zum Teil haarsträubende Wissenslücken über Israel offenbart. Neunundfünfzig Prozent glaubten, daß die israelische Staatsform entweder eine Militärdiktatur oder die Monarchie sei.52 Prozent der Jugendlichen erklärten, daß Juden aus religiösen Gründen das Alkoholtrinken verboten sei,41 Prozent nahmen an, daß ein jüdischer Mann zwischen drei und fünf Ehefrauen haben darf. „Die Ergebnisse waren ziemlich heftig. Es ist nicht schlimm, wenn man Sachen nicht weiß, aber die Assoziationen der Jugendlichen zu Israel waren sehr negativ. Sie handelten vorwiegend von Gewalt ", sagt Uriel Kashi, Geschäftsführer des BSJD. Bei der bundesweiten Befragung, die im Mai 2005 anläßlich des vierzigsten Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel stattfinden soll, werde das Themenspektrum erweitert.„Dann wird es um das Judentum in Deutschland, Israel und die jüdische Religion gehen ",erklärt Kashi. Im Multiple-choice-Verfahren sollen die Schüler die ihnen richtig erscheinende Antwort etwa auf folgende Fragen ankreuzen: Wie heißt der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland ?Wie viele Juden leben in Deutschland? Wen zählt Israel zu seinen Nachbarn? Politische Fragen über den Nahostkonflikt oder den Bau des israelischen Sicherheitszauns seien bewußt ausgeklammert worden, sagt Uriel Kashi. „Es geht uns nicht darum zu klären, wer recht hat im Nahostkonflikt. Im Vordergrund soll stehen, was die Schüler der neunten bis dreizehnten Klassen über Religion, deutsche Juden und das Land Israel wissen." Von den freiwilligen Helfern aus den verschiedenen jüdischen Studentenverbänden wird dabei mehr erwartet, als nur Fragebogen auszuteilen und sie anschließend wieder einzusammeln. Sie sollen in die Klassen gehen, Fragen beantworten und mit den Schülern diskutieren. Das Ausfüllen des Fragebogens werde etwa fünfzehn Minuten dauern. Aber damit soll die Stunde nicht beendet sein.„Es bleibt noch Zeit, und das ist uns wichtig, um pluralistisches und lebendiges Judentum zu präsentieren. Ich arbeite im Jüdischen Museum Berlin und weiß daher, daß unsere Religion oft als alt, starr und verkrustet angesehen wird. Schüler sind immer wieder erstaunt, daß junge Juden genauso hippe und coole Leute sind wie sie ",sagt Kashi. Junge deutsche Nichtjuden seien dabei unverkrampfter als die ältere Generation. „Es wird sicher spannend zu sehen, wie die jungen Deutschen und junge Einwanderer auf das Thema reagieren." Die Studenten müßten sich auf eine Menge Fragen aus allen möglichen Bereichen gefaßt machen. Ins kalte Wasser werden sie dabei jedoch nicht geworfen. Die Jewish Agency for Israel arbeitet mit den Studenten an diesem Projekt. In einem dreitägigen Seminar der Agency sollen sie auf ihre Aufgabe vorbereitet werden, etwa in einem Rhetorik-Workshop.„Die Studenten können mehr über Israel lernen und ihr Wissen über das Judentum in Deutschland vertiefen. Sie sollen aber auch auf Situationen vorbereitet werden, in denen sie mit Provokationen umgehen müssen ",sagt Andrey Gore von der Agency . „Wann hat man schon die Chance, vor einer größeren Gruppe zu sprechen und eine Stunde zu gestalten? Oder bei der Koordination eines solchen Vorhabens mitzuhelfen?", fragt Aviad Halbani von der JONS ,Projektleiter der Hamburger Umfrage. Es gibt sogar etwas zu gewinnen. Das israelische Tourismusministerium stiftet zwei Reisen, die auf der Abschlußveranstaltung im Juni verlost werden. Das unter der Schirmherrschaft von Zentralratsvize Salomon Korn und der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth stehende Projekt „I ask you " wird eine große Sache, glaubt Halbani. „Unsere Erfahrungen in Hamburg haben gezeigt, daß die Studenten gern an solchen Projekten teilnehmen." Zudem arbeite man nun nicht nur mit den jeweiligen Landesverbänden, sondern auch mit anderen jüdischen Studentenverbänden wie Jung und jüdisch .Lea Mühlstein, zweite Vorsitzende des liberalen Verbandes, freut sich über die Kooperation mit dem BJSD .„Wir halten diese Umfrage für sehr gut und inhaltlich interessant." Die Vierundzwanzigjährige, die gerade in Chemie promoviert, hat an Schulen bereits häufiger über das Judentum referiert. Sie habe dabei nur positive Erfahrungen gemacht, sagt Lea Mühlstein.„Wenn der erste Schock darüber verdaut ist, daß da ein ganz normaler Mensch vor ihnen steht und kein Außerirdischer, dann stellen die Schüler viele intelligente Fragen. Das Israelbild ist aber sehr verzerrt." Das liege vor allem an der Berichterstattung in den Medien. Die meisten kennen Israel nur als Konfliktherd und nicht als ein Land, in dem man leben kann. Hier findet Ihr den Artikel mit Foto als PDF zum Herunterladen.
|