Gästebuch

   

Hagalil.com, Mai 2004

Jeder Mensch hat einen Namen

Namenslesung des Jüdischen Studentenverbands Berlin (JSB) e.V.

Auf den ersten Blick scheinen die Namen David Abraham und Klaus-

Lothar-Kaiser nicht viel gemeinsam zu haben. Wenn man den Hintergrund

kennt, in dem sie genannt werden, gibt es diesen Zusammenhang am 

18./ 19. April sehr wohl. Beide gehören zu den 55 696 ermordeten Berliner Juden, deren Namen vom 18. April 19.30 Uhr bis zum darauffolgenden Tag um 24 Uhr vor dem jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstrasse vorgelesen wurden.

 

Organisiert wurde die Lesung vom jüdischen Studentenverband Berlin (JSB)

mit Unterstützung der jüdischen Gemeinde. Hans Wall, ein Unternehmer, der

kurz zuvor mit dem Heinrich-Stahl-Preis ausgezeichnet worden war, war einer der ersten, der bei der ein paar Namen vorlas. Im weiteren Verlauf des Abends, der Nacht und des folgenden Tages lasen Schüler der jüdischen Schule, jüdische Studenten und Erwachsene die beinahe 56 000 Namen. Die Namen werden auch oftmals von den eigenen Angehörigen gelesen. Es kamen auch viele Freiwillige, die Namen lasen. Alle Freiwilligen, die keine Mühe gescheut haben und auch mitten in der Nacht an die Berliner Opfer des National-

sozialismus erinnert haben, haben Außergewöhnliches geleistet, um die Erinnerung an die Geschichte aufrecht zu erhalten. Sie führten uns das Schreckliche, das damals geschah vor die Ohren. Auf diese Weise zeigten

alle Helfer ausdrucksvoll ihre Betroffenheit und Trauer. Teilweise blieben sie stundenlang, lasen selbst oder hörten zu.

 

Gerne hätte man die Namenslesung an einem belebteren Ort als der Fasanenstr. abgehalten, aber die hohen Sicherheitsgefahr erlaubten eine Namenslesung auf dem viel belebteren Wittenbergplatz nicht. Dort verlief die Namenslesung auch sehr friedlich, die Wasserflasche, die ein Anwohner um drei Uhr nachts auf die NamensleserInnen warf, einmal abgesehen. Die eigentliche

Gedenkveranstaltung an die im Holocaust ermordeten Juden begann am Sonntag schon um 18 Uhr. Nach der musikalischen Einleitung begrüßte Albert Meyer, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Berlin, alle Anwesenden. Da die Veranstaltung auch dem 61. Gedenktag des Aufstandes im Warschauer Getto und der Verleihung des Heinrich Stahl- Preises gewidmet war, äußerte der Vorsitzende die Gemeinsamkeiten dieser beiden Ereignisse. Diese besteht im Widerstand. Zur Zeit des Warschauer Gettos, war es der Widerstand der Juden gegen die Nazis. Heutzutage richtet er sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Aufgrund der Handlungen, die Hans Wall unternahm, um

diese Ideale zu verwirklichen, wurde er vom Bürgermeister von Berlin, Harald Wolf ausgezeichnet. Im Anschluss daran sprach der Rabbiner Rozwaski und es gab einen musikalischen Ausklang. Am Mahnmal für die in den Konzentrations-

lager ermordeten Juden legte man dann einen Kranz nieder.

 

Von Miriam Budwig

 

Weitere Informationen zu jüdischen Studenten in Deutschland finden Sie

unter www.bjsd.de