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Berliner Morgenpost, 17. April 2004

Namenslesung von Holocaust-Opfern wird verlegt

Die traditionelle Lesung der Namen von Holocaust-Opfern wird in diesem Jahr nicht auf dem Wittenbergplatz stattfinden. "Wir haben Sicherheitsbedenken", sagte der Vorsitzende des Jüdischen Studentenbundes Avi Toubiana der Berliner Morgenpost.

Deshalb werde die am Sonntag beginnende Lesung auf dem Gelände der Jüdischen Gemeinde an der Fasanenstraße stattfinden.

Im vergangenen Jahr hatte bei der Lesung ein Passant gerufen: "Lest doch mal ein paar Namen von Palästinensern vor." Eine Frau hatte geschrien: "Ich habe so einen Hass auf die jüdische Politik", ein arabischer Jugendlicher brüllte: "Scheiß Israel."

Bei der Lesung, die am Sonntag um 19.30 Uhr beginnt und einen Tag später um Mitternacht endet, werden die Namen von 55 696 ermordeten Berliner Juden vorgelesen. Auf der ganzen Welt werden anlässlich des jüdischen Holocaust-Gedenktages Jom Hashoa die Namen von Ermordeten vorgelesen, doch nur in Berlin findet ein Lesemarathon von mehr als 30 Stunden statt. Gelesen wird durchgehend von A bis Z aus dem 1995 erschienenen Berliner Gedenkbuch, dem Ergebnis eines Forschungsprojektes der Freien Universität. Der erste Name lautet Jutta Aal, geborene Mohr. Sie war am 14. August 1942 nach Theresienstadt deportiert worden, wo sie am 1. September starb.

banjo