Streit um Gespräch Schröders mit Martin Walser
Der Vorwurf des Antisemitismus ist absurd
Berlin - Ganz bewusst hatte sich die SPD für einen umstrittenen Gesprächspartner entschieden, der sich mit Gerhard Schröder über "Nation, Patriotismus und demokratische Kultur" austauschen sollte: Martin Walser. Die Sozialdemokraten wollten damit signalisieren, dass sie im Wahlkampf eben nicht allein auf "ihre" Leute, nicht nur auf das gegenseitige Schulterklopfen setzen. Wenig erwartbar sollte es also bei jenem Gespräch am heutigen Mittwochabend zugehen, spannender und diskursiver als bei einem Gespräch zwischen Schröder und Günter Grass - oder Klaus Staeck.
Dass ein Auftritt Martin Walsers aber vier Jahre nach seiner umstrittenen Rede in der Frankfurter Paulskirche und dem darauf folgenden Streit mit Ignatz Bubis noch immer derart provoziert, hatte man im Willy-Brandt-Haus kaum vermutet.
Bevor Schröder und Walser unter "erhöhten Sicherheitsvorkehrungen", wie es bei der SPD heißt, auftreten, lädt ein "Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus" zu einer Gegenkundgebung ein. Diese soll eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn in unmittelbarer Nähe der SPD-Zentrale stattfinden. Den Aufruf und den Appell, das Gespräch mit Walser abzusagen, haben die Jusos Steglitz/Zehlendorf, die Berliner Jungdemokraten und der Bundesverband jüdischer Studenten unterzeichnet.
In der SPD wie den anderen Parteien erntete die Kritik an der Veranstaltung, zunächst geäußert vom Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden, Michel Friedman, kein Echo. Der Vizepräsident der deutsch-israelischen Gesellschaft, der SPD-Abgeordnete Reinhold Robbe, verteidigte die Veranstaltung. Der Vorwurf des Antisemitismus sei absurd. "So umstritten Walser ist, so richtig ist es, sich mit ihm an einen Tisch zu setzen", sagte Robbe der WELT. Viel gefährlicher sei es, Menschen wie Walser "mit seinen Thesen allein zu lassen". dfs