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© 2001 / 2002 tachles Jüdisches Wochenmagazin 15. März 2002

Das Herz europäischer Studenten schlägt für Israel

Jüdische Studenten aus verschiedenen europäischen Ländern treffen sich zu einem Hasbara-Seminar in Frankfurt. Es vereint sie die Sorge um Israel.

Von Toby Axelrod

üdische Studenten aus vier Ländern Europas kamen in Frankfurt zusammen, um sich gemeinsam Gedanken zu machen, wie sie Israel unterstützen und antiisraelischer Propaganda entgegenwirken können. Während des viertägigen Treffens propagierten deutsche Studenten die Schaffung von über das Land verteilten pro-israelischen Aktivistengruppen. Sie gaben der Hoffnung Ausdruck, dass ihre Idee von jüdischen Studenten in ganz Europa aufgegriffen würde.

Ein steiniger Weg liegt vor diesen Fürsprechern Israels, wie am von ungefähr 160 Studenten aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien besuchten Hasbara- Kongress klar betont wurde. "Hasbara" ist ein hebräischer Ausdruck, dessen verschiedene Bedeutungen unter anderem ?Public Relations?, ?Information? und ?Propaganda? einschliessen. Die Fähigkeiten der Teilnehmer wurden, noch während der Konferenz, am Samstag Nacht auf die Probe gestellt, als die Nachricht bekannt wurde, dass ein Anschlag in Jerusalem zehn Todesopfer gefordert hatte.

Öffentliche Meinung beeinflussen

Organisiert durch die Vereinigung Jüdischer Studenten in Deutschland und die in Frankfurt ansässige Jüdische Jugend- und Studenten-Union von Hessen, zielte der Kongress darauf ab, in der Zeit eines historischen Tiefststandes der öffentlichen Unterstützung für den jüdischen Staat in Deutschland den Aktivismus jüdischer Studenten zugunsten Israels anzukurbeln. Das Resultat des Kongresses sollte darin bestehen, den Studenten praktische Hilfestellung zum Kontern antiisraelischer Kommentare, die seit Ausbruch der Intifada im September 2000 vorherrschend geworden sind, zu leisten. Solche Kommentare schliessen auch Vergleiche zwischen Israel und Nazi-Deutschland sowie Südafrika in der Ära der Apartheid, und auch Fehlinformationen über den Zionismus nicht aus. "Wir wollen mithelfen, die öffentliche Meinung in Deutschland zu formen, und ebenso das Bild, das die Juden hier von sich selbst haben, beeinflussen", sagte Awi Blumenfeld, Vorstandsmitglied der studentischen Ehemaligen-Vereinigung, der heute Assistenz-Professor an der Bar Ilan-Universität in Israel ist. Der 35jährige Blumenfeld unterstützte Victoria Dolburd (21), derzeitige Präsidentin der deutschen Vereinigung, und Lorin Nezer (26), Vorstandsmitglied der hessischen Studentengruppe, bei der Koordination des Kongresses. Diskussionsthemen waren unter anderem die Geschichte des Zionismus und des jüdischen Staates, die Beziehungen zwischen Judentum und Islam, die Nahost-Medienberichterstattung, israelische Araber und jüdische Siedler, die Intifada und Gegenargumente zur palästinensischen Propaganda. Als Gastredner traten unter anderen Shimon Stein, israelischer Botschafter in Deutschland, Michel Friedman, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Avi Beker, Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses, und Michael Wolffsohn, Historiker an der Universität München, auf. Die Veranstaltung wurde durch den Zentralrat, den Weltkongress, die israelische Botschaft in Berlin und das Bundesministerium für Familie, Jugend, Alter und Frauen finanziell mitgetragen.

Schmerzhafte Erfahrung

Die Teilnehmer sprachen über die Fragen und Herausforderungen, die an sie von ihren Mitstudenten und Professoren gestellt werden - teilweise Kommentare, die Ignoranz, Feindlichkeit, manchmal sogar blanken Hass widerspiegeln. "Es war kurz nach dem 11. September, als ein Professor sagte, dass der Mossad die Anschläge ausgeführt und das Weltjudentum sie geplant habe", sagte Nina Belovska, eine 27jährige Studentin der Molekularbiologie in Heidelberg. "Er fügte bei, dass dies wahr sein müsse, da nur das Weltjudentum von diesen Geschehnissen profitieren könne. Ich versuchte, so kühl wie möglich zu bleiben und die Fakten darzustellen, die Absurdität einer solchen Idee zu erklären", fuhr Belovska fort, "ich stand allein auf weiter Flur." "Es ist wirklich frustrierend, wenn du an die Uni gehst und dort Plakate hängen siehst: ?Palästina wird angegriffen?, oder ?Israel ist ein Apartheid-Staat?", sagte Marta Muznik, die aus Portugal stammt und an der Freien Universität Brüssel ihren Abschluss in Internationaler Politikwissenschaft macht.

Muznik war Mitglied der Delegation der Europäischen Union jüdischer Studenten, die letztes Jahr der Antirassismus-Konferenz der UNO in Durban beiwohnten - einer Veranstaltung, die dank moslemischer Aktivisten zu einer grellen antiisraelischen Angelegenheit verkam. Nach ihren Aussagen waren die Mitglieder ihrer Delegation schockiert darüber, wie sehr sie von anderen jugendlichen Delegierten gemieden wurden. Als die jüdische Delegation eine Gruppe von Studenten Sinti- und Roma-Studenten um die Mitunterzeichnung einer Erklärung bat, welche die Unterrichtung an Schulen über die Verfolgung von Juden, Sinti und Roma und anderer Gruppen während des Holocausts verlangte, waren diese zuerst einverstanden. Später aber distanzierten sie sich. Joav Ben-Shmuel zufolge, ebenfalls in Durban anwesender Geschichtsstudent an der Universität Zürich, erklärten die angefragten Studenten, dass es ihrem Image an der Konferenz schaden würde, wenn sie mit einer jüdischen Gruppierung zusammenspannen würden. "Zum ersten Mal realisierte ich dort, wie leicht es ist, den Nahostkonflikt zu missbrauchen", sagte Muznik. So war die Antirassismuskonferenz von Durban einer der Gründe, weshalb die Studenten diesen Hasbara-Kongress organisierten. Die Kommilitonen sollen lernen, auf solche Vorfälle richtig zu antworten. Feierlichkeiten überschattet

Diese Kenntnisse wurden dann am Samstag Nacht mit der Nachricht über die Terrorattacke in Jerusalem und die zehn Todesopfer gleich zum ersten Mal erprobt. Die meisten Studenten hatten sich eben für den Purim-Ball in Frankfurt zurecht gemacht - ein gesellschaftlicher Höhepunkt des Kongresses. Statt direkt zu diesem Anlass zu gehen, trafen sich viele von ihnen zuerst zu einem Brainstorming. Sollten Sie demonstrieren? Und falls ja, sollten sie dies vor Kirchen oder vor dem lokalen Sitz der palästinensischen Behörde tun? Sollte die Botschaft eine der Solidarität mit den Opfern oder eine der Wut über die Unterstützung des Terrors sein - oder beides?

Schlussendlich brachten die Studenten eine Petition zum Purim-Ball mit. Freiwillige sammelten Unterschriften der Festteilnehmer, die damit ihre Sympathie und Trauer inmitten der Festtage bekundeten. Am nächsten Morgen verliessen ungefähr 50 Studenten vorübergehend die Schlussveranstaltung des Kongresses, um vor dem ausserhalb Frankfurts gelegenen Dom zu demonstrieren. Im Rahmen dieser Demonstration erinnerten sie die Kirchengänger daran, dass in der Nacht zuvor in Israel Juden nach Ende ihres eigenen Schabbat-Gottesdienstes ermordet wurden. Sie verlangten Solidarität mit Israel und drückten ihre Hoffnung auf eine Zweistaaten-Lösung im Nahostkonflikt aus. "Vielleicht taten wir es nur für uns selbst, um unsere eigenen Wunden zu heilen", erklärte Dolburd, die Präsidentin der Studentenvereinigung, denn es gab bei der Demonstration keine Medienpräsenz. "Fast alle von uns haben Familie oder Freunde - und in jedem Fall unsere Herzen - in Israel."

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