Gästebuch

March of The Living 2002 in Polen

Auf dem Weg von Auschwitz nach Birkenau konnte man ein Meer israelischer Fahnen sehen

Der diesjährige “March of the Living”, liebevoll auch M.O.L. genannt, war eindeutig ein Erlebnis, welches mit nichts zu vergleichen ist. Es war ein seltsames und doch stolzes Gefühl, diesen Weg von Auschwitz nach Birkenau, der für 1,2 Millionen Menschen noch vor 60 Jahren den Tod bedeutete, mit mehr als 4500 jüdischen Menschen aus der ganzen Welt zu beschreiten.

Von Regina Goldfarb & Tamara Schneider

Sonntag, 7. April :

Um 3 Uhr morgens kamen wir sechs tapferen Kölner zum Hauptbahnhof, um unsere Reise nach Dresden anzutreten. Während unseres Aufenthaltes in der Dresdner Gemeinde trafen auch die anderen Mitreisenden aus Berlin, Frankfurt und Bielefeld ein, mit denen wir an einer Diskussionsrunde und einem kleinen Stadtrundgang teilnahmen. Gegen 22 Uhr verließen wir Dresden in Richtung Krakau.

An der polnischen Grenze begann das Desaster. Gegen Mitternacht wurden wir von den polnischen Grenzbeamten geweckt, die unsere Ausweise kontrollieren wollten. Dies hatte zur Folge, dass zehn Jugendliche mit zwei Begleitern den Zug verlassen und fünf geschlagene Stunden in der polnischen Kälte auf dem Görlitzer Bahnsteig auf den Zug zurück nach Leipzig warten mussten. Der Grund für diese mehr als unangenehme Situation war, dass die verantwortlichen Personen vergessen hatten, ein Gruppenvisum zu besorgen. Demzufolge mussten diese Jugendlichen den ganzen Tag im Leipziger Konsulat verbringen und auf ihre Visa warten.

Für einen tapferen Kölner (wir lieben Dich, Ego!) endete diese Extratour nicht mit einem Happy End, denn die polnische Behörde weigerte sich prompt, ihm ein Visum auszustellen, so dass er mit dem nächsten Zug zurück nach Köln fahren musste.

Am Dienstagmorgen um 7.00 Uhr konnte sich die Gruppe der Ferngehaltenen wieder der Gesamtgruppe anschließen. Nachfolgend das Tagebuch dieser Reise:

Montag, 8. April 2002:

Am Morgen fuhren wir zur Stadt Auschwitz zur dortigen Synagoge, um uns über das ehemalige jüdische Leben zu informieren. Von dort aus fuhren wir dann in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz, wo wir an einer Führung durch die in den Häusern befindlichen Museen teilnahmen. An dem Krematorium hielten wir eine kleine Gedenkzeremonie ab, bei der einige aus der Gruppe Gedichte verlasen. Zur Ehre der Toten wurde dann Kaddisch gesagt.

Am Abend versammelten sich zum Gedenken an den Jom Haschoa mehrere Gruppen des M.O.L. auf dem ehemaligen jüdischen Marktplatz von Krakau, um dort einer von der israelischen Gruppe vorbereiteten Zeremonie beizuwohnen.

Dienstag, 9. April 2002:

Nach einer Führung durch das ehemalige Krakauer Ghetto Kazimierz machten wir uns auf den Weg zum Konzentrationslager in Auschwitz.

Nachdem alle Gruppen und auch wir uns dort positioniert hatten, begannen wir den "March of the Living". Auf dem langen Weg von Auschwitz nach Birkenau konnte man ein Meer israelischer Fahnen sehen, die von den jüdischen Jugendlichen aller Nationen mit Stolz hochgehalten wurden.

In Birkenau angekommen, gingen wir gemeinsam zu den Gedenkfeierlichkeiten. Es wurden Reden gehalten und Gedichte verlesen in Erinnerung an die sechs Millionen in der Schoa ermordeten Juden. Am ergreifendsten waren die Überlebenden, die ihrer Familie gedachten, und der Gesang der über 4500 Menschen, die andächtig die „Hatikwa“ anstimmten.

Mittwoch, 10. April 2002

Morgens fuhren wir nach Kasimierz, um die Synagogen, das jüdische Museum, den Friedhof und den Sitz der „Lauder Foundation“ zu besichtigen. Danach wanderten wir durch die Krakauer Altstadt. Am Abend schließlich ging es dann auf den Weg nach Warschau.

Donnerstag, 11. April 2002

Nach einem Rundgang durch das ehemalige Warschauer Ghetto gingen wir in das jüdische Museum. In der Warschauer Altstadt, die wir danach besuchten, hatten wir etwas Zeit für uns.

Freitag, 12. April 2002

Am Morgen gab es zum wiederholten Male Ärger mit drei Jugendlichen aus Bielefeld, die sich nicht an den Zeitplan hielten und einfach nicht erschienen. Daraufhin veranlassten unsere Betreuer, dass alle drei bis 12 Uhr das Hotel zu verlassen und nach Deutschland zurück zu kehren hätten. Diese Maßnahme war leider notwendig, um den normalen weiteren Verlauf der Reise zu gewährleisten.

Danach fuhren wir gemeinsam nach Lublin, wo wir das jüdische Museum besichtigten. Daraufhin führte uns unser Weg zum ehemaligen Vernichtungslager Majdanek, wo wir zum ersten Mal wirklich mit dem Schrecken der Schoa konfrontiert wurden. Die Baracken, die Gaskammern und die Krematorien waren noch in ihrem ursprünglichen Zustand, was das Erleben der Vernichtung der unzähligen Leben sehr intensiv auf uns wirken ließ.

Zum Abschluss sagten wir auch dort Kaddisch, sangen „Eli, Eli“ und schlossen uns dem Gesang der amerikanischen Gruppe bei der „Hatikwa“ an. Auf der Rückfahrt nach Warschau war unsere Stimmung entsprechend sehr bedrückt. Am Abend gingen wir gemeinsam zum Kabbalat Schabbat in die Warschauer Synagoge, und später aßen und sangen wir mit den anderen Gruppen im Hotel.

Samstag, 13. April 2002

Den Vormittag hatten wir zu unserer freien Verfügung. Von 14.00 bis 18.00 Uhr wurde eine Führung durch Warschau angeboten. Nach der Hawdala gab es ein Treffen mit jüdischen Studenten aus Polen und dem deutschen Botschafter.

Sonntag, 14. April 2002

Eigentlich sollten die Studenten den Zug aus Warschau um 10.45 Uhr nehmen, um dann nachmittags in Berlin und abends in ihren jeweiligen Heimatstädten zu sein. Doch es kam anders als erhofft: Unsere Zugreservierungen wurden storniert, so dass wir Warschau erst um 15.00 Uhr mit den Berliner Schülern in einem Doppeldeckerbus in Richtung Berlin verlassen konnten. Die Fahrt verzögerte sich so weit, dass die mittlerweile fünf tapferen Kölner und die Frankfurter den letzten Zug aus Berlin verpassten.

Um 4 Uhr morgens nahmen wir uns einen Mietwagen, so dass wir um 12 Uhr mittags erschöpft in Köln ankamen. Danke den Beiden, die am Steuer saßen und uns zwar müde, aber immerhin gesund nach Hause gebracht haben. Alles in allem hat sich diese Fahrt gelohnt und ist jedem, der sich einen Einblick in die jüdische Vergangenheit verschaffen möchte, zu empfehlen.

Wir bedanken uns insbesondere bei Yaakov Luft, Awi Blumenfeld und Manuel Korn, bei BJSD und ZWST sowie bei den uns allen unbekannten Organisatoren und Begleitern. Am Israel Chai!

Regina Goldfarb & Tamara Schneider