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Gästebuch
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Von Sonia Dratva Lange Nacht der Filme. Was stellt man sich darunter vor? EINE lange Nacht, in der man Filme anschaut? Auf keinen Fall! Es ist um einiges mehr.
In Wirklichkeit waren es drei Nächte und vier Tage, bei denen 80 Studenten aus hauptsächlich aus Süddeutschland zusammenkamen, um dem vielfältigen Programm mit unzähligen Filmen, Workshops, Exkursionen und Chanukka - Party beizuwohnen. An diesen Tagen durfte das Feierten und das einander Kennenlernen (wenn es im jüdischen Deutschland noch möglich ist, dass einer jemanden nicht kennt) nicht zu kurz kommen.
Angefangen hat das alles am Freitag, den 23.Dezember, ein Tag vor Weihnachten und zwei Tage vor Channuka, mit dem Shabbat-G'ttesdienst. Sehr schick gekleidete junge Damen schauten besonders elegant aus in einem als Synagoge dekorierten Raum (und glaubt mir, wir haben beinahe die Hoffnung aufgegeben, dass dieser Raum verschönert werden könnte). Beim feierlichen Essen entstand eine familiäre Shabbesatmosphäre; alle waren bestens gelaunt, hatten gesungen (auch russische Volkslieder haben ihren Platz gefunden) und viel gelacht.
Bereits das erste Programm des Seminars beschäftigte sich mit dem Seminarthema, dem Film. Beim großen lustigen Kennenlernabend versammelten sich alle in der Halle und haben versucht beim Bingo-Spiel Szenen aus den bekannten Filmen nachzuspielen, Liebeserklärungen in der taubstummen Sprache abzugeben und der Jury zu beweisen, dass einer der Jurymitglieder der beste Kandidat für eine Rolle im Film ab 18 wäre! Ob man die Jury überzeugen konnte, bleibt offen.
Um nach den anstrengenden kreativen Aufgaben auszuspannen gingen alle zum jiddischen „Tisch“. Asaf Grünwald, unser Referent und Vorbeter, erzählte dort jüdische Geschichten und Witzen, dazwischen brachte er den Teilnehmern jüdische Lieder bei und trank, so wie Tradition ist, Wodka mit den Tapfersten von uns!
Am nächsten Morgen gab es einen coolen Gottesdienst mit Asaf und den Lehawa Shlichim. Auch ein schöner Shabbesspazierganz im frostigen München durften nicht fehlen und so begaben sich die kältebeständigsten Teilnehmer zum Olympia Park, zum Ort des traurigen Geschehen der Olympischen Spiele 1972. Am Nachmittag versammelten uns alle zusammen, um einen Vortrag vom berühmten Filmproduzenten Janusch Kozminski zu genießen. Er erzählte darüber, wie man Filme produziert, wie überhaupt Ideen für einen Film entstehen und wie man dann das Resultat vermarktet. Seiner Meinung nach, sollten die in Deutschland lebenden Juden sich mehr mit der Filmindustrie auseinandersetzen, weil sie das natürliche Talent dafür hätten. Generell die sieht er die Zukunft des Judentums in Deutschland in der Filmindustrie. Eine außergewöhnliche Haltung in einem außergewöhnlichen Programm.
Nach der Havdala (natürlich mit den Liedern und Geschichten von Asaf) kam der erste Film Workshop, wo man mit dem Medium Film spielen konnte. Hier ging es um das emotionsgeladene Thema der Terrorwahrnehmung. Pallywood Film vs „Der Tag, an dem ich ins Paradies kam“ sind zwei Filme, die Terror jeweils aus verschiedenen Perspektiven: jüdischen und palästinensischen zeigen. Die Aufgabe der Teilnehmer war es zu analysieren, inwiefern eine Darstellung den Anspruch haben kann, objektiv zu sein.
Der letzte ernste Punkt des Programms für Samstag war das Workshop zu dem Film „Walking on water“ mit anschließender Diskussion über das Verhältnis der Deutschen zu Israelis und der Israelis zu Deutschen, Homosexualität in Israel und Minderheitenproblem.
Die geplante „Lange Nacht der Filme“ fing erst um 12 an und war eher...wie soll ich sagen?...Lange Nacht der... Witze. (An dieser Stelle einen riesigen Dank an Igor, Karol und Asaf für die mindestens zehn Kilo, die wir in dieser Nacht abgenommen haben (Lachen hilft doch dabei, oder?)!!!!!
Für Spass muss man zahlen. Sonntag hätte wohl ein Tag der Entspannung sein müssen, aber so viel Zeit hatten wir nicht. Am Vormittag gab es für Frühaufsteher eine Exkursion durch die Münchner Innenstadt, wo wir auf russische Straßenmusiker trafen, die prompt für uns Chawa Nagila spielten. Und wir haben, ohne lange zu überlegen, dazu getanzt. Nach einem weiteren Filmworkshop mit unterschiedlichen Filmausscnitten zu jüdischer Darstellung hieß es dann „Kameras in die Hände“ und Film ab. Wir mussten ja schließlich zeigen, dass man auch fürs Leben etwas gelernt hat.
Und am Abend dann.... die lang ersehnte erste Chanukka-Kerze. Wie kann er sich so viele davon merken? Unglaublich!
Die, in München nach dem letzten Jahr schon bekannte, Party war, natürlich, wieder ein Event, das bis zum Frühstück dauerte. Danach wollten wir noch schlafen, aber so ein Pech...Zimmerabgabe war schon um zehn. Na ja, bereut hat es sicherlich Keiner!
Nach dem Feedback mit vielen Danksagungen, aber auch viel Kritik (das ist auch gut so), verließen alle langsam (aber sehr langsam) das Hotel.
Im Großen und Ganzen war die „Lange Nacht der Filme“ in diesem Jahr eine „Lange Nacht des Fun“, „Lange Nacht der Freude“ und „Lange Nacht der guten Bekanntschaften“. An dieser Stelle noch vielen Dank an alle Beteiligten, Organisationsteam, Referenten und Referenten für dieses Chanukka Erlebnis!!! Und auch ein Dank an unsere Sponsoren, die es uns auch dieses Jahr ermöglichten, eine schöne, spannende und jüdische Zeit zusammen zu verbringen.
Wir freuen uns jetzt schon auf die LNF 2006!
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